1000miles Tag 14 – Elbsandstein

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100 km 2200 hm

bisher gefahren: 1500km

den Text muss ich nachreichen, die App hat gerade 40 min Getippe gefressen und ich hab keine Zeit mehr.

Kurzfassung: Dauerregen morgens und Abends, zwischendurch schwül. Alles Nass, hintere Bremse kaputt, Beläge sehr knapp, keine neuen bekommen, Nachtschicht im Regen bis 6 uhr morgens, dann 2h Schlaf.

Vielen Dank an die Lagerfeuerparty, die mir nachts um 2 Hänchenschenkel, Wein, Kuchen und sehr nette Unterhaltung gegeben haben!

noch 190 km
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UPDATE
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nachgereichter Text:
Der Waldbiergarten auf 600 Meter. Ich wach auf, es regnet. Und zwar mal wieder richtig, es tropft das Tarpseil entlang in den Schlafsack und ich habs nicht gemerkt. Genervt pack ich mein Zeug und los gehts. Kaaalt! Scheiße ist das kalt, auch diese Nacht wieder gefroren.
Keine Bilder vom Elbsandstein, da Regen. Ein so schönes Tal, wie vor 3 Wochen an der Waldnaab. Sandsteinwände links und rechts. Leider düster und nass. Nicht anhalten, kalt. Hunger, durst. Ironischerweise ist das Wasser alle, seit 18 Stunden keine Möglichkeit gehabt.

Nach dem Tal nochmal ordentliche Berge. Durchziehn, muss nach Decin, es ist Samstag, um 1 machen Bikeläden dicht.

Regen endet. Ein Dorf, ein Laden. Meine Rettung erstmal. Tütenkaffe, Joghurtdrink, Wasser, Wasser. Ich möchte die Kolben der hinteren Bremse mobilisieren, denn durrch den Schlamm scheinen die zu zicken, denn ich muss beim Bremsen immer 2x Pumpen, um Druckpunkt aufzubauen. Ergebnis: Aus dem Hebel läuft Öl aus. Ok, Bremse hinten hat sich nun komplett erledigt. Danke auch. Bleibt eine sketchy Wackelei auf der Vorderbremse.
Ich telefoniere Bikeshops in Decin, keiner hat Beläge für Vierkolben Maguras. Ich lerne: auf solchen Trips kein Schnickschnack, NUR gängiges Material und am Besten mechanische Bremsen. Mit der Avid BB7 Seilzugbremse bin ich beim letzten mal einwandfrei durchgekommen. Scheiß Ölkram, unterwegs biste aufgeschmissen ohne Werkstatt.

Ich schaffs auch eh nicht nach Decin vor 3. Es ist alles immer länger, als man denkt. Ich esse für drei, Sonne scheint, ich fühl mich wohl. Überhaupt hab ich mords Energie heute. Lukasz schlägt auf, setzt sich zu mir. Wir quatschen lange, beide haben großen Redebedarf. Die Einsamkeit in der Wildnis fordert. Er zieht weiter, ich mache Blogposts. Btw., ganz sicher hat die Bloggerei am End auch einen ganzen Tag gekostet.

Billa, ich kaufe Unmengen. Schäme mich fast, mit soviel Gewicht loszufahren, aber morgen ist Sonntag und es wird viel Wildnis sein.

Platzregen, Gewitter, danach schifft es sich für 3h ein. Weg hoch zum Tafelberg hinter Decin. Keine Regenjacke an, nur Shirt, laufe auf Vollast. Es ist halb 8, ein rübezahliger Holzfäller drängt mir Schnaps auf. Ich erwarte Zuckerfusel, aber der hier ist saugut.
Jetzt der steile Steig auf den Tafelberg. Genau DAFÜR habe ich trainiert! Völlig bescheuert x mal Bikelifting, das bepackte Fahrrad zuhause die Downhilltrails auf die Hohe Wurzel raufgetragen. Der Berg hier macht mich nicht mehr fertig!

Oben spektakuläre Fotos. Mit genügend Restenergie fahre ich die technisch anspruchsvollen Trails auf der Fläche oben, statt zu schieben. Bei sowas baue ich immer Adrenalin auf. Deswegen entscheide ich mich, durchzufahren.
Unten eim Bushäusl, drin liegen Lukasz und noch 2. Sie meinen, es wär noch Platz. Es regnet, es ist kalt, mein Schlafsack ist nass. Vor mir sind 30 km schwieriges Sumpfland, die Wege werden eh matschig, pfützig oder völlig gesättigte Wiesen sein und eine Unmenge Kraft kosten. Das kann ich nicht brauchen morgens, also Lampe auf und los.

Es ist so kalt. Ich muss Vollgas geben, um auf Betriebstemperatur zu bleiben. Jede Pinkelpause Geschlotter und 2 min Muskelziehen danach. Die Wege sind schwierig zäh, man muss eh schnell sein, um überhaupt durchzukommen. Melasse. Stetig bergauf. Tieraugen links und rechts. Ein Schild „Militärgelände“ Es wird immer verwegener. Ich komme mir vor, wie auf einem fremden Planeten.

Regen läßt nach. Es ist halb 2 oder so, ich sehe Häuser. Höre Stimmen. Ein Lagerfeuer. Soll ich da mal hin? Ich überlege, brauche auch wieder Wasser.
Die Leute, alle so mitte 20, scharen sich um mich, sind voll interessiert, stellen viele Fragen. Ich kam stundenlang durch Sümpfe und spudele vor Energie und Eloquenz. Fühl mich pudelwohl, wärme meine Mushroom-Füße, esse 3 Hähnchenschenkel, bekomme Bier, Wein und Kuchen. (Letzteren hebe ich fürs Frühstück auf) Alles, was ich wollte, ist diese kalte Nacht durchbringen und jetzt bin ich auf einer Samstagabendparty mit super netten Leuten. Mitten im Nirgendwo.

Ich werde herzlichst verabschiedet, aber der Cowboy muss weiter gen Westen ziehen. Es ist 4 oder so. Aufstieg Cinovec bzw Zinnwald. Es dämmert, kälteste Zeit der Nacht. Weiter weiter. Ooooh meine Füße! Sie sind gesättigt mit Wasser, brennen, sind geschwollen. Diese nassen Wiesen… Also nur kurz anhalten, eincremen, neue Socken. Auf einem halbwegs trockenen Kieshaufen ausruhen. 2 oder 3 Stunden später wache ich auf, es ist hell, neuer Tag.

 

5 Antworten auf „1000miles Tag 14 – Elbsandstein“

  1. Wir fiebern mit Dir. Viel Kraft und vor allem viel Glück (wegen der kaputten Bremsen)! Bald ist es geschafft. Erbitten kurze Nachricht,wenn der grosse Moment da ist.
    Wir sind im Bayerischen Wald.
    Deine Eltern

  2. Yo Pete, voll krass. Pass noch ein bissel auf dich auf, damit du wohlbehalten wieder zurück kommst. Viele Grüße und *daumendrück* für die letzten Kilometers!

  3. Hallo Peter,

    Danke für deine Besuch als Überraschung in der Nacht!
    Wir alle hoffen, dass du schon in Ziel bist und wir wünschen dir viele Erfolg beim nächsten Rennen.

    Štěpánka mit Gruppe von Panenská (Lagerfeuerparty)

    1. Hey Stepanka! Ich hab mich riesig gefreut und werde den Abend lange in Erinnerung behalten! Vielen Dank für Euren Support und die sehr sehr netten Gespräche!!

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