Tag 13/14 – Faulenzerei

Auch am nächsten Tag bleibt Merida meine Nichtlieblingsstadt. Römer, Araber, Welterbe hin oder her, aber hier fehlt mir was, vielleicht habe ich auch einfach immer noch nicht verstanden, wie Spanien funktioniert. Museen mit Ausgrabungsstücken interessieren mich nicht, halb 11 haben 3/4 der Läden noch zu, die Fußgängerzone ist halbtot, wann kann ich wo was essen, warum gibt es hier ein nur halbtgutes Croissant, wenn die doch sonst immer super sind, warum ist das Gras des Nachbarn heute grüner, ach jetzt ist die Stadt auch endlich voll, überall wo ich mich draußen hinsetzen will, zieht’s wie Haubitze, ich geh zum Bus nach Zafra, der Bus hat keinen Platz mehr frei, ok, ich lauf quer durch die Stadt zum Zug und schnapp mir den. An allen Ecken ist’s kantig hier in Merida. Zafra hingegen ist ein Knaller. Klein, sieht aus wie in Mexiko (bzw. vermutlich andersrum. alles 2- max. 3-stöckig, Flachdächer, weiß mit pastelligen Farben) zentraler Platz, bzw. zwei davon (Plaza grande und chica), spottbilliges und sehr nettes Hotel (mit Heizung und Heißwasser), ein riesen Haufen Kneipen, Bars und Restaurants, Feierlaune. Ich fühl mich wohl. Na gut, ich feier nicht richtig mit, aber höre die ganze Nacht das Halligalli auf der Plaza Grande und die Stimmung ist großartig und wär’s warm, säße ich die ganze Nacht auf der Plaza und würde völlig zurfrieden dem Treiben und Trinken zu schauen.

Heute ist nun übrigens der erste Tag der Semana Santa, d.h. die wichtige Osterwoche mit all ihren Ritualen und in Spanien daher mit all ihren Prozessionen. Natürlich bin ich hin. Eine durchaus langwierige Geschichte, die von 20 bis 24 Uhr sehr langsam durch die Stadt wankt mit Pauken und Trompeten, Büßerkapuzen (wahlweise für Kinder und Erwachsene) und zwei Schreinen (?), die von nicht sichtbaren Menschen getragen werden, die da drunter entsprechend auch nichts sehen und auf Kammando laufen, Richtung wechseln und Schrein auf- und absetzen. Hm. Und so geht das jetzt jeden Tag bzw. Abend bis Ostersonntag. Ok. Beeindruckend und seltsam zugleich.

Die gute Nachricht: ich habe jetzt zwei Tage gechillt, häufig (nicht immer) gut gegessen, guten Rotwein (de la tierra) getrunken, die Füße fühlen sich gerade sehr wohl, das Wetter sieht gut aus. Na dann: morgen wird wieder gelaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*